Der Jakobsweg
Von der Fulda an den Main

Seinen Weg finden

Pilgern auf dem Jakobsweg in Hessen zwischen Fulda und Frankfurt

Das Pilgern beginnt vor der Haustür. Dies ist auf dem „Jakobsweg von der Fulda an den Main“ möglich, der Mitte Mai 2010 feierlich mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein und Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez eröffnet wurde. Der Pilgerweg orientiert sich an dem historischen Fernhandelsweg Leipzig – Frankfurt/Main „Des Reiches Straße“und ist ein Abschnitt auf der sog. VIA REGIA (Königsstraße), einer mittelalterlichen Handels- und alten Kulturstraße Europas, die von der Ukraine bis nach Spanien führte. Er ist eine 130 Kilometer lange Verbindung, die zu dem Netz der Hauptwege der Jakobspilger in Deutschland und damit auch Europa gehört. Pilgernde aus Osten und Norden benutzten diesen Handelsweg mit Santiago de Compostela als ihrem Ziel. Die VIA REGIA, eine der ältesten und bedeutendsten Landverbindungen quer durch Europa, wurde 2005 als europäische Kulturstraße des Europarates ausgezeichnet. Bedeutende Kirchen und Zeugnisse der frühen Christianisierung aus dem achten Jahrhundert liegen auf dem Abschnitt von Fulda durch das Kinzigtal nach Frankfurt zur St. Leonhardskirche am Main. Im Norden wird der Weg an den Jakobsweg über Bremen/Thüringen und Vacha an den Ökumenischen Pilgerweg nach Görlitz angeschlossen. Über Mainz und Trier knüpft der Pilgerweg im Westen gleichzeitig an die europäische Streckenführung in Richtung Frankreich und Galicien an. Er ist auch ideal als Radpilgerweg, da er teilweise über den Hessischen Radfernweg R3 geführt wird. Dank der sehr guten Verkehrsanbindung mit Bahn und Bus durch den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sind auch verteilte Tagesetappen möglich.

Kirchen, Klöster und Kapellen

Als Ruheplätze für Leib und Seele laden Kirchen, Klöster und Kapellen sowie Mariengrotten die Pilger zu Meditation, Gebet und Stille ein. Neben herausragenden Baudenkmälern wie dem Dom zu Fulda mit dem Bonifatiusgrab oder der Marienkirche in Gelnhausen aus dem frühen 13. Jahrhundert wollen auch weniger bekannte Kirchen entdeckt werden.

Der Weg selbst präsentiert sich mit einer abwechslungsreichen Streckenführung. Vom beschaulichen Fuldaer Land mit seinen Bildstöcken und Feldkreuzen über den sogenannten Distelrasen bei Schlüchtern mit den Ausläufern des Spessarts führt der Jakobsweg durch das gastfreundliche Kinzigtal mit seinen Heilbädern und Erholungsorten. Immer wieder finden sich Zeugnisse von Kaufleuten, Reisenden, Soldaten und auch Pilgern, die zu den Metropolen im Westen Europas unterwegs waren. Schlösser und Burgen säumen den Weg und zeugen von einer lebendigen Vergangenheit. Von der Hohen Straße mit Blick auf die Skyline von Frankfurt erreicht der Pilger eine pulsierende Stadt, die schon immer Treffpunkt, Drehscheibe und Zwischenstation war.

Der Pilgerweg ist mit dem europäischen Jakobsweg-Zeichen, einer Strahlenmuschel auf blauem Grund, mit einem weißen Spiegel und dem Hinweis auf die Fränkische St. Jakobusgesellschaft markiert. Hinweise zu den nächsten Bahnstationen sind an den Schildern Rhein-Main-Vergnügen mit dem Jakobsmuschel-Logo erkennbar.

Zur Zeit wird die Erweiterung des Wegs über Frankfurt hinaus bis nach Mainz vorbereitet, die es möglich machen wird, auf der Bonifatius-Route durch die Wetterau und den Vogelsberg nach Fulda zurückzupilgern. Mit dem vollendeten Lückenschluss besteht dann ein viertausend Kilometer langer Kultur- und Pilgerweg von Galizien (in der Ukraine) bis nach Galicien (in Spanien).

Der Jakobsweg von der Fulda an den Main führt Sie - in europäischer Dimension - schon hier zu heilsamen Orten und Stätten und, wenn Sie wollen, bis nach Santiago de Compostella. Wir wünschen lebendige Begegnungen - mit sich, mit anderen Pilgern und mit Gott und laden zu Entdeckungen auf dem Weg ein, der für Sie ein behüteter sein möge.